Die Wiederauferstehung des C64 – Eigentlich ein recht polemischer Titel, wenn man bedenkt, daß der beliebte Homecomputer aus den 80ern (eigentlich eine DER 80er Ikonen schlechthin) niemals tot war.

Nachdem es um den Commodore Rechner Anfang der 90er, bedingt durch den Nachfolger Commodore Amiga, dem Auftieg der PCs, dem Wiederaufstieg der Konsolen etc. ruhiger wurde und nur noch Fans und Enthusiasten treu dabei blieben, kommt der Rechner in den letzten Jahren wieder zur steigender Popularität.

Den genauen Grund kann man gar nicht sagen. Ob es an der aktuell andauernden „Retrowelle“ liegt oder ob die Zocker vom damals in ein Alter kommen, was ein Wiederkauf des C64 nötig macht (Midlife Crisis? 😀 ).

Man weiß es nicht und kann hier nur spekulieren. Sicher ist, daß in den letzten Jahren sehr viel wert auf „größere Releases“ mit umfangreichen Boxen, Goodies, Bücher etc. gelegt wird. Gerade mit dem erst erschienenen „Sam`s Journey“, welches von vielen als bestes C64 Spiel überhaupt angesehen wird und es bereits ein Vorfeld einen Hype sondergleichen gab, wurde diese Tendenz bestätigt.

So war es angebracht, daß irgendwann unbedingt jemand einen C64 im sammlerfreundlichen Miniaturformat herausbringen muss. Und in einer Woche, 35 Jahre nach der Verkaufsstart des originalen Ur-Brotkastens, ist es soweit! Retro Games Ltd. wird über den Publisher Koch Media den „TheC64 mini“ veröffentlichen. Ursprünglich war ein „TheC64“ geplant. Eine kleinere Version des Brotkastens mit vollwertiger Tastatur, HDMI- und USB-Support. Hier nochmals der Link auf die ursprüngliche Kampagne bei Indiegogo.

Wie man sieht, wurde das angepeilte Ziel $150.000 dafür zu sammeln nicht erreicht. Gerade 67% der notwendigen Unterstützung konnte erzielt werden. Vielleicht war das Ganze kurz vor dem Scheitern, ganz genau wissen wir es nicht, jedoch entschied man sich irgendwann dazu ein Zwischenziel anzugehen. Der „TheC64 mini“ war geboren. Nochmals kleiner als geplant, leider ohne funktionstüchtiger Tastatur, jedoch deutlich preisgünstiger in der Entwicklung. Mit dem Erlös dieser Mini Konsole will man, zum einen Popularität aufbauen, aber auch die größere Konsole „TheC64“ finanzieren. Und die Zeichen stehen gut.

Die „anderen Konsolen“ NES & SNES mini von Nintendo verkauften sich prächtig und die Regale waren lange leergefegt. Man rechnet damit, daß der kleine C64, gerade in Europa, diese Rekorde nochmals brechen kann. Denn, einige mögen es ggf. nicht so gerne lesen, auch wenn weltweit 60 Millionen NES und „nur“ 30 Millionen C64 verkauft wurde, hier in Deutschland hatten gefühlt mehr Leute Homecomputer im Kinder- oder Wohnzimmer stehen. Und der C64 war das Maß aller Dinge!

Als Backer der ursprünglichen Indiegogo „TheC64“ Kampagne, habe ich vor ein paar Tagen den „TheC64 mini“ als eine Wiedergutmachung für die lange Wartezeit geschenkt bekommen. Praktisch ein 2-für-1 Angebot. So hatte ich auch bereits die Möglichkeit die kleine „consolized version“ des Commodore 64 zu testen.

Das Gerät wirkt im ersten Augenblick ziemlich winzig. Dank verbauter Metallstücke (welche man zu Beschwerung des Ganzen innen eingebaut hat) hat es zum Glück ein gewisses Gewicht um nicht billig zu wirken. Die Verarbeitungsqualität ist einwandfrei. Nichts knarzt, keine hervorstehenden Kanten oder ungenauen Spaltmaße. Man ist sofort geneigt auf der Tastatur zu schreiben. Natürlich sind die „Tasten“ starr und unbeweglich, eben nur ein optisches Gimmick. Dennoch wirkt es erstaunlich real. Wie toll wäre es gewesen, wenn dieses Mini-Keyboard funktionieren würde….aber man kann nicht alles haben.

An der hinteren Seite des Mini-Computers befindet sich eine HDMI-Schnittstelle für den Anschluß an einen modernen TV. Daneben ist ein microUSB Anschluß, wie man ihn von den Smartphones kennt. Dieser dient als Stromversorgung. HDMI- & USB-Kabel liegen dem Paket praktischerweise bei. Auf einen Netzadapter hat man jedoch verzichtet. Diese Methode kennt man ja noch ganz gut von Nintendo. Aber so umgeht man landesspezifische Vorschriften bezüglich Netzteilen und eigentlich hat jeder heutzutage so etwas Zuhause. Alternativ kann man das Gerät auch an den USB-Anschluß seines TVs anschliessen. Dieser sollte jedoch 1A Stromstärke liefern.

Auf der rechten Seite des „TheC64 mini“ findet man den Power-Schalter, sowie zwei USB-Ports. Diese lassen sich mit einem Controller, einer optionalen USB-Tastatur oder einem USB-Stick (mit Spielen oder der neuesten Firmware) füttern. Natürlich lässt sich die Anzahl der Ports durch ein USB-Hub erweitern. In wiefern es Sinn macht möglichst viele Gerätschaften anzuschließen, ist jedoch fraglich. Denn eigentlich möchte man etwas kleines Kompaktes haben. So wird man wohl eher auf die im System implementierte virtuelle Tastatur zurückgreifen. Diese ist im Übrigen recht gut zu bedienen, was man, gerade von anderen Systemen, eher nicht unbedingt gewohnt ist. Das ist als Pluspunkt zu sehen.

Der dem Paket beigefügte Joystick erinnert an den beliebten „Competition Pro“, sieht aber eher dem, vor fast 15 Jahren erschienen, „C64 DTV“, ähnlich. Dies war ein Joystick mit 30 eingebauten C64 Spielen. Die Steuerungseinheit des „TheC64 mini“ macht optisch einen einwandfreien Eindruck, hat man sie jedoch in der Hand, kann man eine eher billige Konstruktion leider nicht abstreiten. Der Joystick fühlt sich einfach nicht so wertig an, wie es der Comp. Pro damals tat. Das typische Klicken der Mikroschalter wird man ebenfalls vermissen. Zum Glück ist der „Knüppel“ jedoch hart und hat kaum Spiel (ja, ich weiß was ihr jetzt denkt :P)
Auch die Buttons sitzen fest, sind aber zu straff und mit erhöhtem Druck zu bedienen. Perfekte Druckpunkte sind für meinen Geschmack anders!

Die zusätzlichen kleinen Buttons dienen zum einen dafür aus jedem Spiel ins Hauptmenü zurückzukehren oder das Spiel zu speichern, jedoch emulieren sie auch Tasten der Commodore 64 Tastatur. So muss man, um sich in einem Spiel fortzubewegen (z.B. „Drücken Sie Return“) nicht extra die virtuelle Tastatur aufrufen. Das spart Zeit und nerven.

Hat man endlich alles aufgebaut und den Mini-Brotkasten eingeschaltet, landet man, nach einer Schnelleinrichtung der Sprache (wobei „deutsche“ eine wirklich seltsame Übersetzung ist…welche Sprache? Deutsche! lol) und der bevorzugten Bildschirmausgabe (pixelgenau, 4:3 PAL, NTSC, mit oder ohne Scanlines) im Hauptmenü. Die Spielbeschreibungen sind dann übrigens auch in der jeweiligen Landessprache. Die Scanlines sind wirklich gut und nicht so stressig wie in anderen Konsolen. Man sieht, es geht auch anders.

Dort begrüßen uns folgende 64 Spiele :

  • Alleykat
  • Anarchy
  • Armalyte – Competition Edition
  • Avenger
  • Battle Valley
  • Bounder
  • California Games
  • Chip’s Challenge
  • Confusion
  • Cosmic Causeway
  • Creatures
  • Cyberdyne Warrior
  • Cybernoid II: The Revenge
  • Cybernoid: The Fighting Machine
  • Deflektor
  • Everyon’s a Wally
  • Firelord
  • Gribbly’s Day Out
  • Hawkeye
  • Heartland
  • Herobotix
  • Highway Encounter
  • Hunter’s Moon
  • Hysteria
  • IO
  • Impossible Mission
  • Impossible Mission II
  • Jumpman
  • Mega Apocalypse
  • Mission A.D.
  • Monty Mole
  • Monty on the Run
  • Nebelus
  • Netherworld
  • Nobby the Aardvark
  • Nodes of Yesod
  • Paradroid
  • Pitstop II
  • Ranarama
  • Robin of the Wood
  • Rubicon
  • Skate Crazy
  • Skool Daze
  • Snare
  • Speedball
  • Speedball 2 – Brutal Deluxe
  • Spindizzy
  • Star Paws
  • Steel
  • Street Sports Baseball
  • Summer Games II
  • Super Cycle
  • Temple of Apshai Triology
  • The Arc of Yesod
  • Thing on a Spring
  • Things Bounces Back
  • Trailblazer
  • Uchi Mata
  • Uridium
  • Who Dares Wins II
  • Winter Games
  • World Games
  • Zynaps

Man hat es, trotz einer gewissen Ähnlichkeit zur Spieleliste des C64 DTVs, hinbekommen, einen netten Querschnitt aus durchschnittlich bis tollen Games mitzuliefern. Einige Games sind sofort bekannt, während es aber auch Unbekannte gibt. Jedoch, und das muss man leider zugeben, hätte man sich eine andere Zusammenstellung gewünscht. Mir schienen die Spiele auch zu „UK-englisch“ gewählt. In Deutschland hätte man sicher auf andere Games zurückgegriffen. Wahrscheinlich war dies aber durch Linzenzthemen nicht zu realisieren. Schade!

Zum Glück bietet ein weiterer Menüpunkt „BASIC“ die Möglichkeit in das gute alte Commodore Basic zu wechseln und dort entweder eigene Programme einzuhacken (ich sehe schon die Ersten ihre alten „64er“ Zeitschriften herauskramen) oder eigene Spiele von einem USB-Stick zu laden. Derzeit ist die Methode, auf die ich bezüglich des nahenden Firmware-Updates nicht weiter eingehen möchte, noch aufwändig, der Hersteller verspricht aber bis zum kommenden Monat eine bessere Lösung. Wir sind gespannt. Dennoch ist es toll, daß an diese Möglichkeit überhaupt gedacht wurde. Ohne diese wäre man auch, bedingt durch die eingeschränkte Auswahl der eingebauten Spiele, sehr schnell an ein Motivationslimit gestoßen.

Die Games machen in 720p Auflösung ordentlich was her und man erfreut sich sofort an der klaren und scharfen Bildschirmausgabe. Auch der Sound weiß zu gefallen. Ich hatte das Gefühl beim Zocken einen minimalen Eingabelag zu spüren, kann mich aber auch täuschen. Hier wären Eure Meinungen wirklich interessant. Es ist nicht schlimm, sollte aber erwähnt sein. Vielleicht ist dies aber auch durch den HDMI-Anschluß und somit TV-seitig bedingt. Hatte in meinem Samsung (die ja nicht für astrein laufende TV-Firmwares bekannt sind) zwar den HDMI-Anschluß für Gaming freigegeben und in „PC“ umbenannt, jedoch keinen positiveren Effekt bemerkt. Bei anderen TV-Herstellern mag das anders sein.

UNTERM STRICH:

Als Fazit kann man sagen, daß der kleine „TheC64 mini“ auf jeden Fall seine knapp 80 Euro wert ist. Schon alleine mit dem Aspekt, daß man die Spieleauswahl um eigene Klassiker erweitern kann. An der Firmware muss Retro Games Ltd. noch schrauben. Insbesondere die Art und Weise Programme über USB-Stick zu laden ist derzeit noch aufwändig. Der Controller hätte ebenfalls etwas hochwertiger sein können. Die Druckpunkte des Joysticks und den Buttons sind nicht optimal.

Dennoch würde ich dem „TheC64 mini“ 7/10 Punkten geben mit der Möglichkeit auf >7,5/10 zu kommen, sobald die Firmware passt.

Insgesamt macht das Paket im direkten Vergleich zum NES oder SNES mini mehr Spaß. Aber das mag mein persönlicher Geschmack sein und floss in die Wertung nicht mit ein. Warum „nur 7/10 bzw. >7,5/10“? Nun gut, man muss etwas Spielraum für den großen Bruder „TheC64“ lassen. Wenn dieser erscheint, wird man mit ihm, natürlich bedingt, wohl noch mehr Freude haben.

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Sammelt seltsames Retrozeug hat ein Faible für Roboter.

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