Irgendein Samstagabend des Jahres 1988. Der neunjährige Steffen sitzt mit seinen Eltern im Wohnzimmer, die Tagesschau ist gleich vorbei. Wetten dass…? lief erst letzte Woche, Verstehen Sie Spass? ist nächsten Samstag dran. Was also anschauen? In Ermangelung einer TV-Zeitschrift lassen wir uns überraschen. Umschalten auf ZDF, da kommt bestimmt ein Film. Als die ersten paar Sekunden laufen, ist meinem Papa und mir klar: der Abend ist gerettet. Es kommt Das Krokodil und sein Nilpferd. Bud Spencer und Terence Hill auf Safari, und ordentlich Prügel für die Bösewichte. Meine Mutter lässt es über sich ergehen. Am Montag darauf in der Schule ist der Film Thema Nummer eins. Und jede Schlägerei wird minutiös nachgestellt.

Die beiden italienischen Schauspieler als Heroen meiner Kindheit zu bezeichnen, wäre stark untertrieben. Deshalb ist meine Aufregung sicher nachvollziehbar, als die Botschaft mich erreichte, dass Terence Hill einen neuen Kinofilm am Start hat.

Das öffentliche Interesse an den beiden Haudegen ist jedoch bereits seit einigen Jahren wieder entflammt. An Feiertagen kann man sich hiervon überzeugen, wenn wieder einmal die Klassiker des Duos auf Kabel 1 in der Endlosschleife laufen. Zudem erschien letztes Jahr mit Slaps and Beans eine Umsetzung der Abenteuer von Spencer und Hill als Computerspiel. Richtig schön im Retro-Stil als Prügelorgie mit der originalen Musik der Oliver Onions. Ebenfalls vor einem Jahr kam dann ein Dokumentarfilm mit dem Titel Sie nannten ihn Spencer ins Kino, in dem sich zwei Fans quer durch Europa auf die Suche nach ihrem Idol begeben und dabei allerlei Weggefährten des Neapolitaners begegnen.

Dieser Film hat insofern eine besondere Bedeutung, da Bud Spencer alias Carlo Pedersoli vor der Veröffentlichung des Streifens verstarb, es sich somit um das letzte Projekt mit seiner Beteiligung handelt.Und nun, in diese Zeit der ohnehin schon erhöhten Aufmerksamkeit, fällt also der Kinostart des Films Mein Name ist Somebody, ein Herzensprojekt, an dem Terence Hill alias Mario Girotti bereits einige Jahre gearbeitet hatte. Der immerhin schon neunundsiebzigjährige Schauspieler ließ es sich dabei nicht nehmen, das Projekt im Rahmen einer Kinotour in Deutschland zu promoten, bei deren Vorführungen er persönlich anwesend sein würde. Dabei würde ihn sein Weg auch in den Mathäser Filmpalast nach München führen – Ehrensache, dass ich da unbedingt dabei sein wollte.

Gesagt, getan: einige Wochen nach Erwerb zweier Tickets war es dann letzten Sonntag soweit. Ich befand mich im Auto unterwegs nach München, im Gepäck eine DVD die ich mir nach Möglichkeit signieren lassen wollte. Zu der angespannten Stunde, in der ich zusammen mit ungefähr 300 anderen Fans vor dem Kino ungeduldig und letztlich vergeblich auf die Ankunft meines Stars gewartet habe, möchte ich jetzt nicht viele Worte verlieren. Punkt 18 Uhr saß ich zusammen mit meiner Frau im Kino, und tatsächlich betrat Terence Hill begleitet von Marcus Zölch (einer der Darsteller aus Sie nannten ihn Spencer) die Bühne, begleitet von tosendem Applaus. Von unserem Platz in der letzten Reihe konnte man ihn zwar nur erahnen. (Notiz an mich: nächstes Mal wenn ich ins Kino gehe und der Star ist anwesend, bitte ERSTE Reihe buchen!)

Trotzdem war es ein ergreifender Moment für mich. Er plauderte in gutem Deutsch ungefähr zehn Minuten über seine erste Begegnung mit Bud Spencer sowie seinen aktuellen Film und wünschte uns zum Abschluss noch viel Spaß. Dann verließ er die Bühne, und der eigentliche Film startete. Meine Hoffnung, irgendwie doch noch ein  Autogramm zu kommen, hatte sich zerschlagen, da wir ihn auch nach dem Film leider nicht mehr zu Gesicht bekamen. Immerhin hat aber jeder Besucher des Films ein Bild mit einem gedruckten Autogramm vor Betreten des Kinos erhalten, was zumindest eine schöne Erinnerung an den Abend darstellt.

Mein Name ist Somebody weckt schon allein im Bezug auf den Filmtitel einiges an Erwartungen. Dies ist natürlich ein geschickter Schachzug vom deutschen Verleih, zu den berühmten Nobody-Filmen besteht jedoch keinerlei Verbindung.

Ein paar kurze Worte zur Handlung: Der Aussteiger Thomas (Terence Hill) will mit seinem Motorrad nach Spanien in die Wüste von Almeria fahren, um dort in der Abgeschiedenheit zu leben und… ja was will er da eigentlich? Ein Buch lesen, genau. Dazu aber später mehr.

Unterwegs trifft er auf die junge Lucia (Veronica Bitto), die gerade ein paar reiche Männer um ihr Geld erleichtert hat. Ein paar Bratpfannenhiebe später sind die wütenden Männer außer Gefecht und Lucia sitzt hinter Thomas auf dessen Harley. Man könnte meinen (und das war auch meine Hoffnung), dass sich nun ein Roadmovie a lá Renegade entspinnen würde. Doch weit gefehlt. Einmal am Zielort angekommen, der sich als zwei Westernhütten vor einem Hügel mitten in der Wüste herausstellt, passiert nicht mehr wirklich viel.

Man merkt, dass Terence Hill sich eine Art von Altersweisheit zugelegt hat und von seinen früheren beschwingten Slapstick-Komödien nichts wissen will. Vielmehr versucht er dem Zuschauer eine ernste Botschaft zu vermitteln. Das große Problem des Drehbuches und des gesamten Films ist jedoch, dass es nie geschafft wird, diese Botschaft klar zu formulieren. Stattdessen kommt es immer wieder einmal zu bedeutungsschwangeren, mit Operngesängen unterlegten Szenen, die leider wenig zum Verständnis der Handlung beitragen, wohl aber dazu, dass das  Anschauen stellenweise zu einer sehr zähflüssigen Angelegenheit wird.  Auch das Publikum war von dieser Art Film sichtlich überfordert. Zwanghaft haben sich die Zuschauer an jeder noch so kleine Szene geklammert, die so etwas wie Witz versprühte und dann war jeweils ein erleichtertes Lachen zu vernehmen.

Warum genau Lucia von zu Hause weg gelaufen ist, oder was Thomas‘ eigentliche Beweggründe sind, es bleibt schleierhaft. Hierzu hätte man sich gern noch die eine oder andere Erläuterung gewünscht. Mitten im Film kommt es dann plötzlich doch noch zu einer kurzen, aber zünftigen Prügelei, fast wie man sie aus den alten Filmen kennt. Diese Szene gefällt zwar durchaus vor allem in Hinblick auf die Fitness von Terence Hill. Aber sie wirkt wie nachträglich aufgepfropft, als ob Hill seinen Fans zumindest teilweise doch noch das geben wollte, wonach sie verlangen. Der dort prügelnde, kalauernde Held ist nicht der angestrengt und ernst dreinblickende Thomas, den wir aus dem Rest des Films kennen. Insgesamt wirkt das Ganze somit unausgegoren und ist weder Fisch noch Fleisch.

Aber es gibt auch positives zu berichten. Gedreht wurde in Almeria, dort wo auch die alten Western mit Bud Spencer entstanden sind. Diesem ist der Film laut Terence Hill auch gewidmet. So sind wirklich einzigartig schöne Landschaftsaufnahmen entstanden, die angenehme Erinnerungen wecken. Zudem macht Hill auf dem Motorrad und im Allgemeinen nach wie vor eine sehr gute Figur, leicht hätte man ihm die Rolle des zwar gealterten aber durchaus fitten Actionhelden abgekauft. Gesprochen wird er in der deutschen Version erneut von Thomas Danneberg, was den eingefleischten Fan natürlich freut. Und natürlich tut es einfach gut, den Helden der Kindheit einmal auf der großen Leinwand zu sehen.

Regie führen hat noch nie zu Terence Hills Stärken gehört. Hierfür gibt es zahlreiche Belege, etwa den 1994 entstandenen, behäbig inszenierten Troublemaker, der gleichzeitig die letzte Zusammenarbeit mit Bud Spencer darstellt. Und das gilt leider auch für seinen neuen, wahrscheinlich letzten Kinofilm. Meine Hoffnung als langjähriger Fanboy ist jedoch, dass irgendjemand aus dem Business Mein Name ist Somebody anschaut und feststellt: der Terence hat es ja wirklich noch drauf. Dann braucht es nur noch ein vernünftiges Drehbuch sowie einen fähigen Regisseur, und eventuell wird so am Ende doch noch alles gut.

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Schreibt für die awesome Return und ist wohl das einzige Barney Stinson Double in Deutschland. Befüllt nun langsam seinen Retrochannel Nerdstuff & Nostalgia und hat ein sexy Monkey Island Tattoo.

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