Scooby Doo Mystery – Sega goes Lucas Arts

„Scooby Dooby Doo, where are you?“ Diese Frage stellte sich der Sänger des Titelsongs der gleichnamigen Zeichentrickserie aus den 1970er Jahren. Einige Besitzer des Sega Genesis konnten diese Frage im Jahr 1995 zumindest eindeutig beantworten: „In meinem Modulschacht natürlich!“

Umsetzungen bekannter Cartoon-Serien sind seit den frühesten Tagen der Computer- und Videospiele keine Seltenheit und für die Softwareschmieden immer eine gute Gelegenheit für einen schnellen Dollar. Der Hund Scooby Doo sowie seine menschlichen Freunde Shaggy, Fred, Velma und Daphne wiederum gehören neben den Ghostbusters zu den beliebtesten Geisterjägern, welche die Populärkultur zu bieten hat. Daher lag es nahe, dieses Erfolgskonzept auch hier zu anzuwenden. Entwickelt wurde das Spiel durch die Illusions Gaming Company, als Publisher fungierte neben Sunsoft die ungleich bekanntere und damals sehr umtriebige Firma Akklaim, welche uns auch solche Perlen wie „NBA Jam“ und „Mortal Kombat“ beschert hat.

Bis jetzt hört sich das alles recht traditionell und klassisch an. Die Vermutung liegt nahe, dass ein typischer Plattformer a lá „Aladdin“ dabei heraus kam. Dies ist jedoch weit gefehlt. Denn bei „Scooby Doo Mystery“, so der volle Titel des Spiels, handelt es sich um ein waschechtes Grafikadventure. Dieses Genre war vor allem auf PCs beheimatet, und hatte Anfang der 1990er Jahre den absoluten absoluten Zenit seiner Popularität erreicht. Firmen wie Lucas Arts, Sierra und die Westwood Studios hatten einige unvergessliche Klassiker wie „The Secret of Monkey Island“ und „Leisure Suit Larry in the Land of Lounge Lizards“ geschaffen, welche noch heute einen besonderen Platz in den Herzen der Spieler einnehmen.

Auf Konsolen wurde dieses Genre jedoch sträflich vernachlässigt. Außer „Maniac Mansion“ für Nintendos NES und „Kings Quest“ für das Sega Master System hatte es nur wenige Versuche gegeben, diese Gattung im Konsolenmarkt zu etablieren. Dies ist auch wenig verwunderlich, waren Konsolen traditionell doch eher für schnelle Action- oder Hüpfspiele geeignet, weniger für stundenlange Sitzungen, in denen diverse Gegenstände miteinander kombiniert und absurde Rätsel gelöst werden müssen. Auch die Steuerung liefert eine Erklärung: Während die PC-Spieler sich bequem per Maus durch die Abenteuer klicken konnten, hatten Konsoleros mit ihren Gamepads hier eher schlechte Karten.

Umso erstaunlicher und auch mutiger ist daher die Entscheidung, „Scooby Doo Mystery“ zu einem eben solchen Point-and-Click-Adventure zu machen. Hierzu verriet mir Art Director Darren Bartlett vor einigen Jahren in einem Interview für das RETURN Magazin:

„Ich hatte immer schon eine Leidenschaft für Grafikadaventures im Stil der Spiele von Lucas Arts. Was ich zudem auf keinen Fall wollte, war ein Scooby in einem seitwärts scrollenden Plattformer, der Scooby Snacks einsammelt. Darum ging es schließlich nicht in der Serie. Sondern darum, dass Scooby und seine Freunde auf zwar ungeschickte aber witzige Weise Rätsel lösen. Daher lag es nahe, die Form des Grafikadventures zu wählen.“

Sowohl die Aufteilung des Bildschirms, als auch die grafische Gestaltung erinnert stark an einen weiteren Klassiker von Lucas Arts: „Day of the Tentacle“. Dieser comichaft überzogene Stil der Darstellung passt natürlich auch hervorragend zur Scooby-Doo-Thematik, und man muss den Hut vor den Programmierern ziehen, was sie technisch alles aus Segas 16-Bitter herauskitzeln konnten. Die Konsole hatte zu diesem Zeitpunkt immerhin schon ein paar Jahre auf dem Buckel. Lediglich die Titelmelodie wurde etwas lieblos konvertiert, hier hätte der Soundchip des Genesis wesentlich mehr drauf gehabt. Dafür wird man jedoch durch einige kurze Sprachsamples entschädigt.

Auch spielerisch hat „Scooby Doo Mystery“ eine Menge zu bieten. Die Handlung ist in zwei Episoden aufgeteilt und es gilt ganz so wie in der Serie, rätselhafte Spukerscheinungen aufzuklären. Der erste Fall trägt den Titel „Blake’s Hotel“, was natürlich eine Anspielung auf das berühmte Motel aus „Psycho“ ist. Der Geist eines Indianerhäuptlings treibt in der Herberge sein Unwesen, was zur vorzeitigen Abreise sämtlicher Gäste geführt hat. Im zweiten Abenteuer verschlägt es unsere Helden in den „Ha Ha Carnival“, wo ein böser Clown sein Unwesen treibt.


Der Spieler übernimmt die Steuerung von Shaggy, welcher von Scooby Doo begleitet wird. Die anderen Figuren kommen nur am Rande vor. Die Rätsel sind allesamt mittleren Schwierigkeitsgrads, und nach einer gewissen Zeit des Herumprobierens zu lösen. Immer wieder wird das Ganze durch Slapstick-Einlagen aufgelockert. Der Charme der alten Serie wird somit perfekt eingefangen. Selbst das Problem mit der Steuerung wurde übrigens halbwegs gut gelöst: Ein Tastendruck lässt den Cursor auf dem Bildschirm erscheinen, welcher dann per Steuerkreuz auf die gewünschten Verben oder Gegenstände bewegt werden kann. Eine Batterie zum Speichern der Spielstände ist nicht vorhanden, dafür kann aber per Passwort jederzeit wieder da eingestiegen werden, wo zuletzt aufgehört wurde.

Für das Super NES erschien übrigens zeitgleich ebenfalls eine Version des Spiels, welche jedoch grundverschieden ist, und eher eine Mischung aus Adventure und Plattformspiel darstellt. Für Point-and-Click-Freunde und Fans von Scooby Doo ist das Spiel uneingeschränkt zu empfehlen. Leider wurde es jedoch nur in Nordamerika veröffentlicht, und hat sich dort anscheinend auch nicht allzu gut verkauft. Dies dürfte die Erklärung dafür sein, dass vollständig erhaltene Exemplare nur zu horrenden Preisen im Internet erhältlich sind. Auf einem europäischen Mega Drive bekommt man das Modul übrigens nur mit einem Konverter zum Laufen. Aber vielleicht konnte dieser kleine Bericht das Interesse des einen oder anderen dennoch wecken, und dann ertönt demnächst wieder die vertraute Melodie in den Wohnzimmern: „Scooby Dooby Doo…“

Über Steffen Anton

Schreibt für die awesome Return und ist wohl das einzige Barney Stinson Double in Deutschland. Befüllt nun langsam seinen Retrochannel Nerdstuff & Nostalgia und hat ein sexy Monkey Island Tattoo.

Schau mal hier

Review: Errementari – Der Schmied und der Teufel

Steffen hat sich "Errementari" angeschaut und für Euch ein Review geschrieben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Mastodon