Foto: Screenshot Netflix.de / Errementari Info

Review: Errementari – Der Schmied und der Teufel

Einmal Hölle und zurück

Es war einmal ein Schmied, der ging einen Pakt mit dem Teufel ein. Großen Reichtum versprach ihm dieser, wenn er dafür nur seine Seele bekäme. Jedoch hatte der Teufel nicht mit der Verschlagenheit des Schmiedes gerechnet. So ähnlich beginnt ein Märchen, welches in den „Kinder- und Hausmärchen“ der Gebrüder Grimm enthalten ist. Eine regionale Variante dieser Geschichte existiert auch im Baskenland, jener sowohl zu Spanien als auch zu Frankreich gehörenden Gegend, welche schon seit Langem um ihre Unabhängigkeit ringt. 

Spanien, 1835: Im ganzen Land wütet ein Bürgerkrieg. Soldaten der Regierung nehmen in einem baskischen Dorf Rebellen gefangen und exekutieren diese. Doch einer der Aufrührer, der Schmied Francisco Patxi (Kandido Uranga), startet einen Gegenangriff. Er scheint unverwundbar zu sein und wird von einer schemenhaften dämonischen Gestalt unterstützt. Keiner der Soldaten überlebt.

Acht Jahre später: Ein Regierungsbeamter kommt in das Dorf und zieht Erkundigungen über den Schmied ein. Angeblich soll dieser in seinem Haus eine beträchtliche Menge an Gold versteckt haben. Die Bewohner scheinen verängstigt zu sein und meiden die Schmiede, soll deren Betreiber doch mit dem Teufel im Bunde stehen und gar einen Dämonen gefangen halten. Außerdem munkelt man, dass er seine Frau getötet hat. Als ein kleines Mädchen verschwindet, welches in der Nähe der unheimlichen Behausung zuletzt gesehen wurde, entschließen sich die Dorfbewohner, das Anwesen von Patxi zu stürmen. Was sie dort erwartet, hätte wohl sich keiner der Beteiligten in seinen kühnsten Träumen ausgemalt.

„Errementari“ , was in der baskischen Sprache nichts anderes als Schmied bedeutet, lässt sich nur sehr schwer in ein Genre einordnen. Wer einen reinen Horrorfilm erwartet hatte, wird recht schnell enttäuscht sein. Das Label Dark Fantasy im Stil von „Pan’s Labyrinth“ oder „Legende“ mag hier wohl am zutreffendsten sein. Das liegt sicherlich daran, dass die Geschichte zu einem überwiegenden Teil aus der Perspektive eines Kindes erzählt wird. Aber auch der Dämon selbst ist, nachdem er erst einmal komplett gezeigt wurde, alles andere als furchteinflößend. Obwohl man den Machern zugute halten muss, dass an dieser Stelle kaum mit CGI gearbeitet wurde, wäre hier weniger wohl mehr gewesen. Gerade die Anfangsszene, welche sich hauptsächlich im Nebel abspielt, zeigt eindrucksvoll, welches Mehr an Suspense hier möglich gewesen wäre.

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Seine stärkeren Momente hat das Creature-Design dann doch noch einmal bei den finalen Szenen, welche direkt in der Hölle spielen. Hier wird dem Zuschauer eine fantasievolle Auswahl der verschiedensten Dämonentypen präsentiert. Zu den großen Pluspunkten des Films gehört wiederum zweifelsohne das Szenenbild. Die Landschaftsaufnahmen sind wahrhaft wunderschön geraten, fast jede Einstellung könnte auch aus einem verschollenen Gemälde eines Caspar David Friedrich entstammen. Überhaupt verstand es der junge baskische Regisseur Paul Urkijo Alijo, mit viel Lokalkolorit seine Heimat authentisch darzustellen. Wer der dortigen Sprache mächtig ist, kann sich die Originalversion anschauen und damit noch tiefer in die Materie eintauchen.

Wer vom Einheitsbrei der Zombie- und Slasherfilme genug hat und bereit ist, sich auf einen originellen Trip in eine zauberhafte (Märchen-)Welt einzulassen, der darf bei „Errementari“ durchaus einen Blick riskieren. Der Film ist im Programm von Netflix erhältlich.

Über Steffen Anton

Schreibt für die awesome Return und ist wohl das einzige Barney Stinson Double in Deutschland. Befüllt nun langsam seinen Retrochannel Nerdstuff & Nostalgia und hat ein sexy Monkey Island Tattoo.

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2 Kommentare

  1. Vielen Dank für den Hinweis. Ich habe mir den Film gestern angesehen. Für mich kam das Ende etwas überraschend, ich hatte eigentlich damit gerechnet, dass die Geschichte noch ein paar Minuten weiter geht. Es muss ja aber auch nicht immer alles komplett auserzählt werden.

    Ich hätte gerne noch mehr über die einzelnen Figuren erfahren. Einerseits habe ich mich keinen Augenblick gelangweilt, andererseits war das Erzähltempo schon hoch. Obwohl ich kein Serien-Fan bin, habe ich mir gedacht, dass die Geschichte genug Stoff für eine Mini-Serie geboten hätte.

    • Hey, danke für Deinen Kommentar. Freut mich wenn ich Dich inspirieren konnte. Eine Mini-Serie hätte ich mir auch gut vorstellen können. Gruß Steffen

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