Meine Batman-Story und eine Lüge, die endlich aufgedeckt wird

Der erste große Hollywood-Blockbuster, mit dem ich nach der Öffnung der Grenzen 1989 konfrontiert wurde, war Tim Burton’s „Batman“ mit Michael Keaton. Praktisch an jeder Ecke sah man sich mit dem schwarz-goldenen Logo konfrontiert. Mir war der Superheld aus dem Hause DC bis dato nur von dem Film „Batman hält die Welt in Atem“ bekannt, der irgendwann mal im ZDF gelaufen war. Doch dieser „neue“ Batman schien ganz anders zu sein, viel düsterer und auch cooler. Ein Besuch im Kino war für mich damals noch nicht denkbar, zu sehr war ich damit beschäftigt, überhaupt erst einmal die vielen Eindrücke der schönen neuen und bunten Welt des Westens zu verarbeiten. Aber dennoch war ich brennend an dem Film interessiert.

Im Zeitschriftenregal eines Supermarkts stolperte ich dann über das „Magazin zum Film“ aus dem Hause Ehapa, welches für 5 DM erhältlich war. Einige Minuten später lag es dank meiner Überzeugungskraft im elterlichen Einkaufswagen. Ich hatte nun den Film zwar noch immer nicht gesehen, aber dank des Hefts hatte ich nun ALLE Informationen über ihn, inklusive einer detaillierten Beschreibung der Handlung. Immer wieder las ich mir die Zeitschrift Seite für Seite durch und tauchte derart tief in den Film ein, dass ich mich fast fühlte, als hätte ich ihn tatsächlich angeschaut.

Die wichtigsten Fakten habe ich sogar nochmal in einem extra von mir dafür angelegten Heft niedergeschrieben, welches mit Aufklebern und ausgeschnittenen Bildern aus der BRAVO verschönert wurde. Schon damals hatte ich wohl den Drang, über Filme zu schreiben.

Wir kommen an dieser Stelle nun zu einem Geständnis.

Zur damaligen Zeit fuhren wir öfters zu Besuch zu Bekannten im nahe gelegenen Niedersachsen. Die Familie hatte zwei Kinder, die ungefähr in meinem Alter waren. Eines Tages, als wir wieder einmal dort zu Gast waren, hatten die Kinder gerade Besuch von einer Freundin, die selbst etwas älter war. Sie schwärmte von dem neuen Batman-Film, den sie erst kurz zuvor im Kino angeschaut hatte. Vielleicht kennt Ihr das, als Kind legt man oft Wert darauf, von anderen Anerkennung zu erhalten. Wie sie also so begeistert von dem Film redete, sagte ich beiläufig „den habe ich auch schon gesehen“. Ich blickte auf offene Münder in erstaunten Gesichtern, denn er war wirklich erst einige Tage zuvor in den Kinos angelaufen, und schließlich war ich doch ein „Ossi“, haben die da überhaupt Kinos? Ich klang auf jeden Fall sehr überzeugend, kannte ich doch dank meiner Zeitschrift die Handlung in- und auswendig.

Doch dann stellte sie die Frage, die mich ins Schwitzen brachte. „Wo hast Du den Film denn gesehen?“ Was sollte ich nur sagen? Ich überlegte fieberhaft, und das exotischste, das mir spontan einfiel, war „Tele 5“. Wir hatten damals zwar noch kein Privatfernsehen, doch ich hatte den Namen des Senders kurz zuvor in einer Fernsehzeitschrift gelesen. Ohne zu wissen, dass damals im Westen ja praktisch jeder alle diese Programme empfangen konnte. Deshalb antwortete sie etwas ungläubig „Oh, habe ich gar nicht mitbekommen, dass der schon im Fernsehen lief.“ Aber meine restliche Argumentation war wohl so schlüssig gewesen, dass sie es schluckten. Falls Ihr das jetzt lest: Sorry, ich habe Euch schändlich belogen! Meine eigene Premiere sollte übrigens noch bis zur Erstausstrahlung im TV auf sich warten lassen. Aber das Warten hat sich definitiv gelohnt.

Der Film hat mich seinerzeit sogar zu künstlerischer Betätigung inspiriert 🙂

Was Burtons Interpretation von Batman betrifft, so war sie für mich immer die definitive Inkarnation des Superhelden. Das hat sicher viel mit der großartigen Musik von Danny Elfman zu tun, aber auch generell am düsteren, ins surrealistische gehenden Ansatz den der Regisseur verfolgte. So sind für mich bis heute das Batmobil und auch der Anzug des Helden unerreicht, und Gotham City sah nie wieder so gut aus. Nicht zuletzt ist es natürlich das coole, glänzende Logo, welches mich seit meiner Kindheit begleitet. Von Vorteil war sicherlich auch, dass ich den Film und alles was dazu gehört, für immer mit der Zeit der Wende verbinden werde, und er somit eines der ersten popkulturellen Phänomene ist, die mir begegneten.

In den darauf folgenden Wochen habe ich auch die ersten Batman-Comics entdeckt, die damals noch im Hethke-Verlag erschienen sind. Die zwei Hefte, die ich damals gekauft habe, befinden sich noch heute in meinem Besitz. Vom gleichen Verlag erschien übrigens auch ein Comicalbum zum Film, welches ich mir einige Jahre später ebenfalls gekauft habe. Zu der eingangs erwähnten Zeitschrift gibt es übrigens eine separate Geschichte. Sie kam mir nämlich zwischenzeitlich abhanden, befindet sich jedoch heute ebenfalls wieder in meinem Besitz. Diese Geschichte könnt Ihr hier nachlesen.

Über Steffen Anton

Schreibt für die awesome Return und ist wohl das einzige Barney Stinson Double in Deutschland. Befüllt nun langsam seinen Retrochannel Nerdstuff & Nostalgia und hat ein sexy Monkey Island Tattoo.

Schau mal hier

Ein Terence-Hill-Film, der gar keiner ist!

Steffen möchte Euch einen Film aus der "Klamauk-Kiste" empfehlen. Wenn Ihr Freunde von lustigen Komödien im Westernsetting (wie z.B. die mit Terence Hill) seid, dann schaut Euch "Cipolla Colt" an.

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