Wer mich kennt und sich bereits den einen oder anderen meiner Ergüsse zu Gemüte geführt hat, der weiß, dass ich meine Kindheit in der DDR verbracht habe. Darum soll es zwar heute nicht gehen, aber es ist wichtig, um die Tragweite der nun folgenden Ereignisse zu begreifen.

Als am 09. November des Jahres 1989 endlich die Grenzen geöffnet wurden, war dies für mich als Kind wie ein kleines Wunder. Die politische Bedeutung war mir damals noch wenig bewusst. Ich hatte es vor allem auf die Möglichkeiten des Konsums abgesehen, Plötzlich hatte ich Zugriff auf die tollsten Spielwaren, Comics und Zeitschriften, die ich sonst nur aus der Fernsehwerbung kannte. Nichts was hernach passierte, ist mit dem Einbruch dieser bunten und wohlriechenden Welt in mein Leben vergleichbar. Deshalb komme ich wohl auch nicht ganz davon los, darüber zu schreiben..

Zwei Dinge, die ich damals bekommen habe, waren mir besonders lieb und teuer. Zum einen eine Figur aus der „He-Man“-Reihe, und zwar ein Zyklop namens Optikk, welchen ich meinen Eltern irgendwann im Winter 1989/1990 im Spielwarengeschäft Schmalstieg in Duderstadt aus dem Kreuz geleiert habe. Diese Figurenreihe ist die Nachfolgeserie zu den legendären „Masters of the Universe“, die zwar nicht mehr ganz den Kultstatus der Originale erreicht hat, aber heute trotzdem einen beträchtlichen Sammlerwert besitzt. Optikk also war zu dieser Zeit das von mir bevorzugte Spielzeug, das ich hütete wie meinen Augapfel.

Zum anderen handelt es sich um eine Zeitschrift. Der Film „Batman“ von Tim Burton lief gerade in den Kinos, und hierzu war ein exklusives „Magazin zum Film“ erschienen und für den Preis von 5 DM am Kiosk erhältlich. Das war meine erste Berührung mit dem Phänomen Batman und ist auch der Grund, warum ich diesen Film innerhalb der Reihe bis heute am meisten liebe. Ins Kino habe ich es zwar nicht geschafft, aber aufgrund des Heftes kannte ich doch den ganzen Film mehr oder weniger gut.

Nun, kurz gesagt, diese beiden Dinge zählten in dieser Phase meines Lebens zu meinen wahren Schätzen. Aber wie das manchmal so ist im Leben, weiß man den Wert der Dinge erst zu schätzen, wenn man sie nicht mehr besitzt. In dem Sommerferien 1990 begab ich mich, wie jedes Jahr, zu meiner Oma in den Nachbarort, um dort einige schöne Tage zu verbringen.

Natürlich hatte ich sowohl Optikk als auch das Batman-Heft dabei. Gelegentlich kam ein Nachbarsjunge vorbei, um mit mir zu spielen. Stolz wie ich war, präsentierte ich ihm meine Sachen, und das Unheil nahm seinen Lauf. Offenbar hatte beides seine Begierde ebenso geweckt, wie seinerzeit die meinige als ich mit meinen Eltern einkaufen war. Und mit einem furchtbar gemeinen Trick versuchte er, in deren Besitz zu kommen.

Er würde die Sachen gern eintauschen, er wäre im Besitz einer (Zitat, ich werde den genauen Wortlaut nie vergessen) „original Karl-May-geprägten Münze“, welche „in seiner Familie von Generation zu Generation weiter gegeben wurde“. Mit den Stichworten Karl May und Münze hatte er mich! Dazu muss man wissen, dass Winnetou und Kara Ben Nemsi damals fast ebenso beliebt bei uns Kindern waren wie Bud Spencer und Terence Hill. Zudem: welcher elfjährige Junge möchte nicht eine wertvolle Münze, einen Schatz in seinem Besitz haben? Dass es sich bei dem angeblichen Unikat nur um eine billige Souvenir-Münze als Aluminium handelte, war mir zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst, und so schlug ich ein. Stolz auf mich, was ich doch für einen tollen Handel abgeschlossen hatte.

Erst in den Wochen und Monaten danach wurde mir zusehends bewusst, dass ich über Ohr gehauen wurde. Das wollte ich mir dennoch nicht wirklich eingestehen, und die Sache geriet für eingie Zeit in Vergessenheit. Die Pubertät, mein Abitur und das andere Geschlecht ließen mich diesen Fauxpas eine Weile lang verdrängen. Doch immer wieder einmal kreisten meine Gedanken um Optikk und Batman.

Als die Möglichkeiten des Internets immer vielfältiger wurden, schaute ich deshalb einmal bei Ebay, ob irgendwo vielleicht eine Optikk-Figur angeboten wurde. Und tatsächlich – ein Anbieter in Großbritannien verkaufte eine original verpackte Figur für ungefähr 20 Pfund. Das war 2006, also schon mehr als 15 Jahre nach meinem Trauma. Ich schlug natürlich sofort zu, und einige Tage später hatte ich meinen geliebten Optikk endlich wieder in den Händen.

Jeder Sammler wird mich gleich verdammen: ich riss sofort die Packung auf und spielte erst einmal eine Weile damit! Die Figur ist mit einer Waffe ausgestattet und der rechte Arm enthält eine Feder – zieht man ihn zurück, schnellt er nach vorn. Zudem kann man das Auge/den Kopf mittels eines Rädchens am Rücken drehen. Ich war überglücklich! Mittlerweile habe ich die Figur übrigens wieder in die Packung zurück gelegt und diese wieder zugeklebt. So sieht er (fast) aus, wie original verpackt!

„Das war ja leichter, als gedacht“, war mein Gedanke. Dann sollte die Wiederbeschaffung des Batman-Hefts wohl auch kein allzu großes Problem darstellen, oder? Falsch gedacht! Ihr glaubt nicht, wie viele verschiedene Publikationen damals zu Burtons Film erschienen sind! Ich wusste ja nicht mehr viel über das Heft. Weder den Verlag, noch die genaue Bezeichnung.

Wenn man jedoch als Suchbegriff „Batman Zeitschrift Sonderheft 1989“ als Suchbegriff bei Ebay eingibt, so erscheinen gefühlt hunderte von Ergebnissen. Keines davon ähnelte jedoch meinem Heft, wie ich es in Erinnerung hatte. Also kaufte ich mir auf Verdacht einfach mal mehrere Kandidaten, die dem zumindest ähnelten, in der Hoffnung, dass vielleicht doch das richtige dabei sei. Unter anderem das Sonderheft der Zeitschrift Cinema zum Film. Keines jedoch entsprach dem von mir Gesuchten. Enttäuscht gab ich meine Suche einige Jahre auf. Dann jedoch packte mich wieder das Fieber – irgendwie müsste man die richtige Zeitschrift doch finden! Dann hatte ich eine neue Idee: ich meldete mich in einem Forum für Batman-Fans an, und postete dort meine Frage. Und tatsächlich: ich erhielt eine Antwort.

 

Offenbar war das Heft erst auf englisch erschienen, und dann auf deutsch im Ehapa-Verlag. In der Antwort war auch gleich ein Link zu einer Ebay-Auktion, in der die englische Ausgabe angeboten wurde. Die deutsche Variante jedoch war gerade nicht erhältlich. Besser als nichts, dachte ich mir, und bestellte das Heft. Als ich es ein paar Tage später in den Händen hielt, wusste ich: ich hatte das richtige gefunden. Das Layout und die Haptik waren die gleiche wie bei der deutschen Variante.

Nun, da ich wusste, wonach ich suchen musste, tat ich dies in den folgenden Wochen gezielt, und es dauerte nicht lange, da war ich am Ende meiner Suche: jemand verkaufte das deutsche Heft. Mir wäre der Preis in dem Moment egal gewesen, aber er war erstaunlich moderat. So oder so – ich schlug sofort zu, und war fast den Tränen nahe, als ich die Zeitschrift dann endlich bekam. Immer wieder blätterte ich sie durch und es kamen viele lange vergessene Erinnerungen in mir hoch.

Nun, da ich beide Gegenstände wieder in meinem Besitz habe, bin ich sehr glücklich und dankbar.

Und bin zur Einsicht gekommen:

Das Internet mag nicht immer nur gute Seiten haben, aber in diesem Fall hat es mir geholfen, ein lange währendes Trauma zu beenden!

 

 

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Schreibt für die awesome Return und ist wohl das einzige Barney Stinson Double in Deutschland. Befüllt nun langsam seinen Retrochannel Nerdstuff & Nostalgia und hat ein sexy Monkey Island Tattoo.

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