Was haben Ghostbusters, Caddyshack und Animal House gemeinsam?

An allen drei Filmen war Harold Ramis beteiligt, sei es nun als Darsteller, Drehbuchautor oder Regisseur. Doch damit ist nicht genug. Der Name Harold Ramis zieht sich wie ein roter Faden durch Hollywoods Filmkomödien der 1970er und 1980er Jahre. Was es damit auf sich hat, und wie das Satiremagazin National Lampoon darin verwickelt ist, das möchte ich heute einmal versuchen aufzuklären. Der Bericht erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern versucht lediglich, die wichtigsten Stationen und Meilensteine aufzuführen.

Ramis begann seine komödiantische Karriere Ende der 1960er Jahre bei der Chicagoer Theratergruppe The Second City, welche für viele weitere später bekannte Komiker wie Bill Murray, John Belushi sowie die gebürtigen Kanadier John Candy und Dan Aykroyd ebenfalls das Sprungbrett bedeutete. Später trafen einige von ihnen wieder zusammen bei der National Lampoon Radio Hour, einer Comdey-Radioshow des seit 1970 bestehenden Satiremagazins National Lampoon. Dort trafen sie unter anderem auf Chevy Chase und Brian Doyle-Murray, den älteren Bruder von Bill Murray.

1975 wurde dann die legendäre TV-Sendung Saturday Night Live gestartet. Zu deren Ensemble gehörten im Laufe der Jahre neben den erwähnten Komikern noch Steve Martin, Randy Quaid und Martin Short.

Wie man sieht, war die nordamerikanische Comedyszene der damaligen Zeit fast so etwas wie eine große Familie, man lief sich immer wieder über den Weg. Das sollte sich auch auf der Kinoleinwand fortsetzen. Der Einfachheit halber nenne ich diese Art von Filmen im weiteren Textverlauf „SNL-Komödien“, in Anlehnung an Saturday Night Live, auch wenn das nicht ganz korrekt ist.

Die erste große gemeinsame Zusammenarbeit war das im Jahr 1978 entstandene Animal House, welches bei uns auch unter dem dämlichen Titel Ich glaub’, mich tritt ein Pferd bekannt ist. Der Film ist auch die erste Kinoproduktion des bereits erwähnten Magazins National Lampoon. Das Drehbuch zu dieser derben College-Klamotte wurde von Harold Ramis zusammen mit National-Lampoon-Autor Douglas Kenney verfasst, Regie führte John Landis. Zu den Hauptdarstellern gehört neben Tim Matheson – welch Überraschung – unter anderem John Belushi. In dieser frühen Phase der SNL-Komödien war noch sehr viel nackte Haut in Form von weiblichen Brüsten zu sehen, was sich in späteren Produktionen ändern sollte. Animal House war an den Kinokassen überaus erfolgreich und wurde von den Kritikern mit mittelmäßigen Reviews bedacht.

Zwei Jahre später kam 1980 die Golfkomödie Caddyshack in die Kinos, deren Drehbuch erneut von Ramis und Kenney in Zusammenarbeit mit Brian Doyle-Murray verfasst wurde. Ramis fungierte hier zudem erstmals selbst als Regisseur. In den Hauptrollen sind Chevy Chase und Bill Murray zu sehen. Caddyshack war ein ordentlicher Erfolg, entwickelte sich jedoch erst in den folgenden Jahren zum Kultfilm. Douglas Kenney konnte dies leider nicht mehr miterleben, denn er verstarb kurz nach der Filmpremiere bei einem Sturz von einer Klippe auf Hawaii. Bis heute wird gemunkelt, dass er Suizid begangen hat. 1988 kam es übrigens zu einer späten Fortsetzung von Caddyshack, die jedoch qualitativ nicht ansatzweise an den Vorgänger heranreicht, und an der Ramis und Chase auch nur marginal beteiligt waren.

1980 war nicht nur das Jahr von Caddyshack, sondern auch das der Blues Brothers. John Landis verfilmte hier ein Drehbuch, welches er zusammen mit Dan Aykroyd verfasst hatte. Als Köpfe einer Bluesband sind Aykroyd und John Belushi zu sehen, zudem gibt sich noch John Candy die Ehre. Der Kultstatus von Blues Brothers ist aufgrund zahlreicher Auftritte von Musiklegenden wie Ray Charles und Aretha Franklin unbestritten.

Die im Jahr 1998 entstandene schwache Fortsetzung wollen wir einmal wohlwollend unter den Tisch fallen lassen. Blues Brothers war leider die letzte Beteiligung von John Belushi an einer SNL-Komödie, denn er verstarb im Jahr 1982 an einer Überdosis Drogen.

Bill Murray war bereits ein Jahr nach Caddyshack, also 1981, erneut als Hauptdarsteller in dem Film Stripes zu sehen, vom deutschen Verleih wurde daraus Ich glaub’, mich knutscht ein Elch gemacht. Unter der Regie von Ivan Reitman entstand eine Militärkomödie, in der Murray und Ramis zwei Loser darstellen, die bei der Army anheuern. Regie führte Ivan Reitman, der Soundtrack stammt, wie schon bei Animal House, von Elmer Bernstein. Harold Ramis war zudem am Drehbuch beteiligt.

1983 kam es dann wieder zu einer Produktion von National Lampoon, mit Die schrillen Vier auf Achse. Im Original ist der Film mit National Lampoon’s Vacation betitelt. Die Story basiert auf der Kurzgeschichte Vacation ’58 von John Hughes, die in einer Ausgabe des Magazins zu lesen war. Von den bisher erwähnten Komikern sind dieses Mal besonders viele beteiligt. Die Hauptrolle des Familienvaters Clark Griswold hat Chevy Chase, zudem sind Randy Quaid, John Candy und Brian Doyle-Murray an Bord. Regie führte, einmal mehr, Harold Ramis. Der Film war so erfolgreich, dass er in den Jahren 1985 (National Lampoon’s European Vacation), 1989 (National Lampoon’s Christmas Vacation) , 1997 (Vegas Vacation) und 2015 (Vacation) Fortsetzungen erhielt.

Die wohl erfolgreichste und bekannteste Zusammenarbeit der mittlerweile zu Stars avancierten Komiker kam im Jahr 1984 in die Kinos: Ghostbusters! Unter der Regie von Ivan Reitman entstand ein Film, der die Geschichte von Wissenschaftlern erzählt, die auf Geisterjaged gehen. Das Drehbuch haben Harold Ramis und Dan Aykroyd in Gemeinschaftsarbeit geschrieben. In den Hauptrollen ist neben Aykrod und Ramis noch Bill Murray als Peter Venkman zu sehen. In einer Nebenrolle tritt Rick Moranis auf, ebenfalls ein alter Weggefährte aus Second-City-Tagen. Den Score hat wieder einmal Elmer Bernstein komponiert. Man sieht, langsam bildete sich bei den SNL-Komödien so etwas wie Kontinuität heraus. Zudem ging es von nun an überwiegend jugendfrei zu.

Wir müssen Harold Ramis nun kurz verlassen, indem wir zum 1985 entstandenen Spies like us (Spione wie wir) kommen. Bei dieser Agentenparodie war Dan Aykroyd als Drehbuchautor und Darsteller beteiligt, an der Seite von Chevy Chase. Regie führte John Landis, die Musik stammt von Elmer Bernstein. Bei den Kritikern fiel dieser Film durch, an den Kinokassen war er auch nicht sonderlich erfolgreich.

Im Jahr 1986 vereinten sich dann Steve Martin, Chevy Chase und Martin Short, um als Three Amigos ein mexikanisches Dorf zu retten. Als Regisseur fungierte erneut John Landis. Jedoch wurde auch dieser Film eher negativ aufgenommen.

Ebenfalls 1986 machte endlich Harold Ramis wieder einmal von sich Reden. Er war am Drehbuch des Films Armed and Dangerous (Zwei unter Volldampf) beteiligt. In den Hauptrolle ist neben John Candy noch Eugene Levy zu sehen, der seine Karriere gleichermaßen bei Second City begonnen hatte.

Mel Brooks beglückte uns im Jahr 1987 mit einer Parodie auf Star Wars und Star Trek. Spaceballs enthält Auftritte von John Candy und Rick Moranis. Im gleichen Jahr war Candy zusammen mit Steve Martin in dem Roadmovie Planes, Trains and Automobiles (Ein Ticket für zwei) zu sehen.

Zur großen Wiedervereinigung kam es im Jahr 1989, welches den zweiten Kinoauftritt der Ghostbusters erleben sollte. Sämtliche Mitwirkenden des ersten Teils sind in ihren alten Funktionen wieder an Bord, lediglich die Musik stammt dieses Mal nicht von Elmer Bernstein, sondern von Randy Edelman. An den Kinokassen war der Film nicht mehr ganz so erfolgreich wie sein Vorgänger, und auch die Kritiken fielen etwas schlechter aus.

Insgesamt lässt sich gegen Ende der 1980er Jahre ein Abflauen der „goldenen Ära“ der SNL-Komödien feststellen. Lediglich Home Alone (Kevin allein zu Haus) setzte hier im Jahr 1990 noch einmal Zeichen. Der von John Hughes geschriebene Film mit John Candy in einer Nebenrolle gilt als Weihnachtsfilm schlechthin.

Ein allerletztes Aufbäumen der SNL-Komödien stellt für mich der im Jahr 1993 entstandene Groundhog Day (Und täglich grüßt das Murmeltier) dar. Bill Murray glänzt hier als grummeliger Reporter, der in einer Zeitschleife gefangen ist. Für Regie und Drehbuch ist Harold Ramis verantwortlich, der auch in einer Nebenrolle zu sehen ist. Weiterhin hat Brian Doyle-Murray noch einen kleinen Auftritt.

Natürlich waren die einzelnen Beteiligten der SNL-Komödien auch weiterhin erfolgreich auf Solopfaden unterwegs und trafen sicherlich das eine oder andere Mal wieder bei Dreharbeiten aufeinander. Die große Zeit der gemeinsamen Zusammenarbeit war jedoch vorüber, vielleicht auch weil sich der Geschmack des Publikums im Laufe der Zeit geändert hat. Das Magazin National Lampoon existierte von 1970 bis 1998. „Richtige“ Filmproduktionen des Magazins gibt es jedoch nur wenige. Die meisten ab Mitte der 1980er Jahre unter dem Label entstandenen Filme nutzten dieses nur, um von seinem Bekanntheitsgrad zu zehren.

Im Nachfolgenden habe ich noch einmal eine Liste der Beteiligten aufgelistet, die für einen Großteil der SNL-Komödien verantwortlich sind.

Darsteller:

Bill Murray, Dan Aykroyd, Harold Ramis, Chevy Chase, John Candy, Rick Moranis, Steve Martin, Martin Short, John Belushi, Randy Quaid, Brian Doyle-Murray, Tim Matheson, Douglas Kenney, Eugene Levy

Drehbuchautoren:

Harold Ramis, Douglas Kenney, John Hughes, Dan Aykroyd

Regisseure:

Ivan Reitman, John Landis, Harold Ramis

Musik:

Elmer Bernstein

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Schreibt für die awesome Return und ist wohl das einzige Barney Stinson Double in Deutschland. Befüllt nun langsam seinen Retrochannel Nerdstuff & Nostalgia und hat ein sexy Monkey Island Tattoo.

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