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Für einen Golfball um die halbe Welt

Was haben Police Academy 5, Zwei bärenstarke Typen und Caddyshack gemeinsam? Abgesehen davon, dass alle drei Filme in den 1980er Jahren ins Kino gekommen sind, wurden sie allesamt teilweise oder komplett in Florida gedreht, genauer gesagt in Miami seiner näheren Umgebung. Ach ja, und zufällig gehören die Filme seit meiner Kindheit und Jugend zu meinen Favoriten. Da mich mein diesjähriger Urlaub in eben diesen Bundesstaat der USA geführt hat, wollte ich es mir daher nicht nehmen lassen, einige der Drehorte zu besuchen.

Die erste Station unserer Reise war dann auch direkt Miami Beach. Eines der unzähligen Hotels dieses exklusiven Strandabschnittes ist das traditionsreiche Fontainebleau Hotel, welches bereits in den 1950er Jahren erbaut wurde und seitdem in unzähligen Filmproduktionen als Kulisse diente.

Den Prunk dieser Anlage wollte auch Regisseur Enzo Barboni nutzen als Hintergrund für seinen 1983 erschienenen Film Zwei bärenstarke Typen. Bud Spencer und Terence Hill spielen hier zwei Taugenichtse, die irrtümlich für CIA-Agenten gehalten werden. Und sie residieren natürlich im besten Hotel der Stadt – dem Fountainebleu!

Gleich am Tag nach unserer Ankunft begab ich mich daher genau hier her. Und ich muss sagen, viel geändert hat sich nicht. Der Bereich mit der Zufahrt direkt vor dem Gebäude sieht noch genauso aus, wie damals. Auch der Eingangsbereich mit seinen goldenen Türen und dem Marmorboden hat sich kaum verändert, wie man auf den Fotos sehen kann.

Es ist ein wahrhaftig erhebendes Gefühl, hier auf dem Spuren der Helden meiner Kindheit zu wandeln. Hinter dem Hotel befindet sich der Poolbereich, der zwar etwas umgebaut wurde, aber dennoch zu erkennen ist.

Eine weitere Szene des Films wurde im Miami Seaquarium gedreht. Auch diesem habe ich natürlich einen Besuch abgestattet. Vor allem die Becken für Seehunde und Killerwale sind sehr gut wiederzuerkennen, fand hier doch eine wichtige Keilerei des Films statt.

Die Sprecherkabine in der Killerwalarena aus der Terence eine Ansage gemacht hat, ist ebenfalls noch vorhanden, hat jedoch einen anderen Anstrich bekommen.

In Miami wurden übrigens noch zahlreiche weitere Spencer/Hill-Filme gedreht, so zum Beispiel Zwei außer Rand und Band oder Die Miami Cops. Daher atmet die ganze Stadt (zumindest in den Augen eines Fans) ein gewisses Flair des beliebten Duos, und das noch nach 30 Jahren!

Der nächste Film auf meiner Liste ist Police Academy 5. Man mag über die klamaukige Filmreihe denken, was man will – Kult ist sie allemal. Vor allem der fünfte Teil aus dem Jahr 1988 hatte es seinerzeit meinem besten Freund und mir angetan. Immer wieder haben wir ihn zusammen angeschaut, uns schlapp gelacht und dessen Sprüche zitiert. Der Untertitel des Films lautet „Auftrag Miami Beach“.

Die Truppe um Kommandant Lassard wird nach Miami beordert, um dort dessen Auszeichnung zum „Polizist des Jahrezehnts“ beizuwohnen. Und in welchem luxuriösen Hotel steigen unsere Polizisten ab? Richtig, im Fountainebleu! Auch in diesem Film sind daher sowohl der Bereich vor dem Hotel als auch die Lobby sehr gut zu sehen. Es ist schon witzig, wenn man auf solche Details achtet und den gleichen Fußboden entdeckt, wie bei Bud und Terence! Auch die Tür zu dem Raum, in dem der Polizeikongress stattfindet, gibt es heute noch (fast) unverändert, wie man auf dem Foto erkennen kann.

Der dritte und letzte Film im Bunde bietet gleichzeitig auch die spannendste Geschichte. Es handelt sich um die 1980 erschienene Golfkomödie Caddyshack! Gedreht wurde der Streifen im Golfclub Rollin Hills in Davie, ca. 40 km nördlich von Miami. Der Club existiert noch immer, heißt aber mittlerweile Grande Oaks Golf Club.

Warum mag ich Caddyshack so sehr? Zum einen, weil mit Harold Ramis, Bill Murray und Chevy Chase gleich drei meiner Lieblingskomiker an Bord sind. Und zum anderen, weil ich seit Anfang der 1990er Jahre eine gewisse Obsession für den Golfsport entwickelt habe, begründet durch das Computerspiel World Class Leaderboard.

Das ganze ging so weit, dass ich mittlerweile meine Joggingstrecke an den lokalen Golfplatz verlegt habe, um während des Laufens verschlagene Golfbälle einzusammeln. Es war also völlig klar, dass ich im Laufe der Urlaubsreise einen Abstecher zum Drehort von Caddyshack machen musste.

Mehr als alles andere wünschte ich mir, als Souvenir einen Golfball des Clubs für meine Sammlung mit nach Hause nehmen zu können. An unserem allerletzten Tag, dem Tag des Rückflugs nach Deutschland, war es dann so weit. Auf dem Rückweg unserer Rundreise zum Flughafen begaben wir uns zum Grande Oaks Golf Club in Davie.

Wer Caddyshack gesehen hat, der weiß, dass es sich im Film um einen sehr elitären Club mit strengen Aufnahmebedingungen handelt. Und nicht anders ist es im echten Leben: das Gelände ist umgeben von einem hohen Zaun, und wir standen mit unserem Auto vor einem verschlossenen Tor aus schwerem Gußeisen.

Mitglieder können dies mit Hilfe eines Zahlencodes öffnen, außerdem gibt es einen Rufknopf. Eingeschüchtert drehten wir zunächst um und parkten auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Wenn ich mir gedacht hatte, ich könnte dort so einfach hinein spazieren und einen Golfball abstauben, so hatte ich mich gewaltig geirrt!

Wir stiegen aus dem Wagen aus, und versuchten nun, irgendwie auf dem Fußweg auf das Gelände zu gelangen; so schnell wollte ich mich nicht geschlagen geben! Seitlich neben dem Tor gibt es ein etwas kleineres, weniger prunkvolles Tor für Wartungsfahrzeuge, welches gerade kurzzeitig geöffnet war. Ohne lange nachzudenken, schlüpfte ich mit meiner Frau durch diese Sicherheitslücke – und wir waren drin!

Von weitem sah ich bereits das majestätische, aus dem Film bekannte Clubhaus und im Hintergrund die scheinbar endlosen Grüns des eigentlichen Golfplatzes. Das Clubhaus schien jedoch komplett umgebaut worden zu sein, lediglich die Zufahrt sowie die Form des Gebäudes erinnern noch an den Film.

Wir waren noch nicht weit gekommen, da wurden wir von einer Dame angehalten, die in einem Golfmobil auf uns zugefahren kam. Sie reagierte überrascht, als ich ihr sagte, wir wären aus Deutschland und wären nur wegen Caddyshack hier. Sie verwies uns an die Anmeldung im Clubhaus. Vor dem Gebäude standen einige weitere Angestellte des Clubs, die uns sehr nett empfingen.

Als wir ihnen von unserer Herkunft und unserem Anliegen berichteten, waren sie gleich sehr interessiert und gesprächig. Man sah jedoch, dass sie uns eingehend musterten – anscheinend entsprach unsere Kleidung keineswegs den Anforderungen.

Ob wir einen Golfball bekommen könnten, konnten auch sie uns nicht sagen, so dass wir uns ins Gebäude begaben. Hier erwartete uns ein Interieur, das dem eines Schlosses würdig gewesen wäre. Der Fußboden bestand aus Marmor, ein mit Mahagoni getäfelter Gang der von dicken Säulen getragen wurde, führte weiter ins Innere des Clubhauses. Am Empfangsschalter war eine Dame, die uns kalt empfing – als ich ihr unsere Absicht vortrug, verzog sie nur das Gesicht.

Aus einem Zimmer links kam gleich eine weitere Dame geschäftig auf uns zu. Was wir hier wollten, das wäre ein privater Club mit strengem Dresscode, der Präsident wäre heute da und sähe so etwas gar nicht gerne und überhaupt, wir dürften nicht weiter gehen und müssten sofort umdrehen. Dabei wollte ich doch nur einen Golfball. Ja, den gäbe es zwar, aber in den Shop, wo man diesen bekommen könne, würde ich so wie ich angezogen bin, gar nicht hineinkommen. Man könnte mir den Ball ja per Post schicken. Geht nicht, sagte ich, wir reisen bereits heute wieder ab! Ein kurzes Telefonat später („here are some guys from Germany, they want a Caddyshack golfball“) wußte ich: ich würde mit leeren Händen gehen müssen. Und das so schnell als möglich! Ein Foto dürfte ich machen, ja, aber mehr nicht.

Enttäuscht zogen wir ab. Als wir schon fast wieder das Gelände verlassen hatten, rief die nette Frau vom Anfang mich zurück. Anscheinend hatte die Geschichte des Caddyshack-Fans aus Deutschland, der quasi extra für einen Golfball in die USA gereist war, doch das Herz der Club-Oberen erweicht.

Sie hatte mir einen Golfball, sowie einige andere Goodies ergattert. Voller Freude nahm ich die Sachen entgegen und bedankte mich tausend Mal. Auch ein paar Fotos mehr wurden mir noch erlaubt. So hat sich der Abstecher doch noch gelohnt, und der kleine Steffen hat nun seinen Grande Oaks Golfball. Als wir wieder zurück in Deutschland waren, habe ich als erstes – na was wohl – Caddyshack angeschaut!

 

Über Steffen Anton

Schreibt für die awesome Return und ist wohl das einzige Barney Stinson Double in Deutschland. Befüllt nun langsam seinen Retrochannel Nerdstuff & Nostalgia und hat ein sexy Monkey Island Tattoo.

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30 Jahre später – mein erstes Mal im Westen

Das erste Jahrzehnt meines Lebens war für mich eine sehr spannende Zeit. Zum einen war diese Phase für mich als Kind in der DDR geprägt von Begriffen wie Altstoffsammlung und Pioniernachmittag, zum anderen aber von der Sehnsucht, endlich mal in den "Westen" fahren zu dürfen. Diesen kannte ich nur aus dem Fernsehen und von Erzählungen meiner Eltern und Großeltern. Und natürlich aus glänzenden Katalogen sowie dem Intershop. So wie dort musste es im Westen sicher überall riechen. Dachte ich damals zumindest.

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