Düfte der Vergangenheit

Ich gebe es zu: Ich bin ein Schnüffler! Schon oft habe ich Euch an dieser Stelle mit in meine Vergangenheit genommen. Die Inspiration für meine Texte kommt mir meist spontan, wenn mir Begebenheiten aus der Kindheit oder Jugend einfallen. Die Auslöser hierfür können ganz unterschiedlicher Art sein, aber am wirkungsmächtigsten sind für mich immer gewisse Düfte. Ich weiß nicht, ob es Euch ähnlich geht, aber wenn ich bestimmte Gerüche wahrnehme, dann ist es für mich so, als hätte ich tatsächlich eine Reise zurück in der Zeit gemacht. Ich möchte daher an dieser Stelle einmal ein paar olfaktorische Beispiele nennen, die für mich von Bedeutung waren und noch immer sind.

Parfums

Das ist sicher die auf den ersten Blick am nächsten liegende Geruchsquelle. Es gibt einige Düfte, durch welche ich direkt in die 1990er Jahre zurück versetzt werde.

Davidoff Cool Water

Als erstes kommt einem sicherlich die berühmte Werbung in den Sinn: Ein Mann, springt von den Klippen ins Wasser, um dann heroisch wieder aufzutauchen und seinen gestählten Körper zu präsentieren. Der frische aquatische Duft war damals zudem sehr angesagt und man konnte ihn praktisch überall wahrnehmen. Irgendwann als Teenager habe ich ihn dann zu Weihnachten bekommen und fortan war mir die Gunst der Mädels in meiner Klasse gesichert. Ich benutzte das Parfum auch heute noch, und auch wenn ich der Meinung bin, dass die Rezeptur im Laufe der Zeit etwas geändert wurde, so ist es doch bei jedem Auftragen ein wenig so, als wäre ich wieder 15 und betrete gleich den Klassenraum.

Carrera

Dieses Deo wurde Anfang der 1990er Jahre von meinem Bruder benutzt. Die aufmerksamen Leser unter Euch erinnern sich vielleicht, dass dieser damals im Besitz eines VHS-Rekorders war, welchen ich an den Wochenenden nutzen durfte, während er selbst abends unterwegs war. Nun war das Ritual fast immer das gleiche. Mein Papa fuhr mich in die Videothek im Nachbarort, ich suchte mir einen oder zwei Filme aus und sobald mein Bruder sein Zimmer verlassen hatte, durfte ich loslegen. Und jedes Mal hatte ich dann den markanten Duft das Parfums in der Nase, mit welchem er sich vorher noch eingesprüht hatte., Das Produkt ist heute leider nicht mehr zu kaufen. Aus diesem Grund habe ich mir kürzlich bei eBay einen alten Mini-Flakon besorgt, der eigentlich für den Setzkasten gedacht ist. Die enthaltene Flüssigkeit hat im Laufe der Jahre ihren Duft zwar verändert, aber ein kleines bisschen ähnelt er dem, was ich in Erinnerung habe. Und dann kommen mir gemütliche lange Videoabende im Zimmer meines Bruders in den Sinn.

Magazine und Zeitschriften

Wenn ich eine neue Zeitschrift oder ein Buch in der Hand halte, muss ich es als erstes kurz durchblättern und an den Seiten riechen. Dieser „Fetisch“ liegt sicherlich auch in meiner Kindheit begründet. Nicht nur wurde ich nach der Öffnung der Grenzen mit einer Menge bunten Spielzeugs konfrontiert, sondern auch mit diversen Comics, Büchern und Zeitschriften. Und alle hatten sie ihren besonderen Duft. Die BRAVO roch beispielsweise anders und weniger intensiv als das von mir heiß geliebte Videospielemagazin GAMERS. Letzteres war mein absoluter Geruchsfavorit. Diesen ganze speziellen Duft oder einen ähnlichen hatten damals mehrere Magazine. Die Betonung liegt leider auf damals. Heutige Magazine riechen leider etwas anders. Nur die RETRO GAMER versprüht wenn sie ganz neu ist noch einen gewissen Hauch der Vertrautheit.

Und noch einen Duft liebte ich: In den Spielwarenläden lagen oft kostenlose Broschüren zum mitnehmen aus. So auch zu den He-Man-Figuren von Mattel. Und das Heft, welches ich damals hatte (und heute dank eBay wieder habe), roch einfach fantastisch.

Leider verfliegen diese Noten von frischer Druckerschwärze und Bleichmittel im Laufe der Jahre. Aber die originalen Gerüche werde ich nie vergessen!

Feuerwerk

Ja, es ist heute verpönt, sich positiv über Feuerwerk zu äußern. Und das sicherlich zu recht, bedenkt man die Schäden an der Umwelt und die negativen Auswirkungen auf Tiere. In den 1980er Jahren war dies jedoch anders, Feuerwerk gehörte dazu, auch in der DDR. Ich war zwar damals noch ein Kind und durfte offiziell keine Feuerwerkskörper besitzen. Aber ich war dennoch tief beeindruckt von der Knallerei und Silvester gehörte daher für mich zu den schönsten Tagen im Jahr. Zu den typischen Böllern in der DDR gehörten jene, welche mittels einer Reibefläche an der Streichholzschachtel entzündet werden konnten.

Sobald sie angesteckt waren, verströmten sie einen ganz eigenen Geruch, der wohl vom enthaltenen Schwarzpulver herrührte. Am Neujahrstag zog ich dann immer mit meinem Papa los, um gut erhaltene „Knaller“ zu suchen. Auch das war sicherlich nicht ganz regelkonform. Dennoch erinnere ich mich gern an diese Zeit und an den Geruch, wenn das neue Jahr eingeläutet wurde.

Intershop (und Westpakete)

Ja, das ist für einen Bürger der ehemaligen DDR sicherlich derjenige Duft, welcher sich am tiefsten ins Gedächtnis eingeprägt hat. Die Intershops waren Geschäfte, in denen man gegen Westgeld Produkte aus dem Westen wie Seife, Spirituosen, Kaffee oder auch Spielzeug erwerben konnte. Ein paarmal war ich als Kind mit meiner Mutter in diesem Wunderland. Den dortigen Geruch werde ich nie vergessen. Es war eine Mischung aus Seife, Parfum und dem Lack frisch gedruckter Ansichtskarten. Besser und genauer kann ich es nicht beschreiben. Als ich das erste Mal selbst im Westen war (die entsprechende Geschichte könnt Ihr hier nachlesen), dachte ich natürlich, es müsse hier überall so riechen. Leider war dem nicht so. Ich habe jedoch vor ein paar Jahren eine Handwaschseife von Palmolive entdeckt („Hygiene Plus“), welche dem zumindest ungefähr nahe kommt.

Einen ganz speziellen Geruch hatten übrigens auch die sogenannten „Westpakete“, welche mehrmals im Jahr bei uns eintrudelten. Unsere Verwandten „drüben“ versorgten uns so mit regelmäßig mit Konserven und Kaffee. Auch gebrauchte Kleidungsstücke und ganz selten auch einmal Spielzeug befanden sich in diesen Kartons. Sie rochen keineswegs nach Intershop, sondern eher nach einer Mischung aus Pappkarton und Wäsche welche lange im Schrank gelegen hatte.

Bäckereien

Ich war natürlich sehr enttäuscht, dass es in Westgeschäften nicht so roch, wie in den Intershops. Aber einen anderen Duft, welchem ich dort zum ersten Mal begegnete, werde ich immer mit meinen ersten Besuchen im Westen verbinden. Stellt Euch vor, Ihr lauft in einen Supermarkt hinein. Gleich im Eingangsbereich ist eine Bäckerei. Dort gibt es neben frisch gebackenen Brötchen auch frisch gemahlenen Kaffee zu kaufen. Diese besondere Mischung stieg mir immer wieder in die Nase, als ich meine ersten Supermarktbesuche absolvierte. Und auch heute noch nehme ich diesen Duft gelegentlich wahr. Nicht in allen Supermärkten, aber doch von Zeit zu Zeit. Und wenn ich dann die Augen schließe… Ihr wisst schon! 🙂

Über Steffen Anton

Schreibt für die awesome Return und ist wohl das einzige Barney Stinson Double in Deutschland. Befüllt nun langsam seinen Retrochannel Nerdstuff & Nostalgia und hat ein sexy Monkey Island Tattoo.

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