Nach dem Kinostart von Jurassic Park im Jahr 1993 war praktisch jedes Kind im Dino-Fieber. Alle wollten plötzlich Paläontologe sein wie Dr. Alan Grant und nachts schlief man natürlich in Dinosaurier-Bettwäsche. Dieser Hype hat mich damals etwas geärgert, da ich die urzeitlichen Echsen schon Jahre zuvor für mich entdeckt hatte als es noch nicht cool war, sämtliche Arten namentlich benennen zu können. Dabei war es für ein Kind in der DDR gar nicht so einfach, adäquates Infomaterial zu dem Thema zu bekommen.

In unserem Schulhort gab es damals ein Buch mit dem Titel Von Anton bis Zylinder – Das Lexikon für Kinder, quasi eine kindgerechte Enzyklopädie des Wissens. Ein Abschnitt dieses Buches faszinierte mich besonders, und zwar der, in dem es um Dinosaurier ging. Es gab eine farbige Abbildung mit einer urzeitlichen Landschaft, in der ein langhalsiger Brontosaurus friedlich direkt neben einem schuppengepanzerten Stegosaurus steht.

Dieses Bild schaute ich immer und immer wieder an und las den dazugehörigen Text bis ich ihn fast auswendig konnte. Die Faszination führte so weit, dass ich diese Seite eines Tages heimlich aus dem Buch heraustrennte und mit nach Hause nahm.

 

Falls jemand aus meinem Hort diesen Artikel jetzt liest, hiermit wäre auch dieses ungeklärte Rätsel gelöst. Ich entschuldige mich an dieser Stelle für die Sachbeschädigung und den Diebstahl. Zu Hause klebte ich das Bild in ein eigens dafür angelegtes Heft ein, welches zudem Zeichnungen und andere zusammengetragene Zeitungsausschnitte und Fakten aus diversen Lexika enthielt. Dieses Heft habe ich bis heute aufgehoben und bin beim Durchblättern jedes Mal von neuem erstaunt, was für eine Forschernatur schon damals in dem achtjährigen Steffen steckte.

Meine Begeisterung wurde an irgendeinem Samstag um die Mittagszeit weiter angefacht. Es war Zeit für die Flimmerstunde im DDR-Fernsehen. Jede Woche wurde innerhalb dieses Formats ein Kinderfilm gezeigt. Und an besagtem Tag lief der tschechische Film Reise in die Urwelt von Karel Zeman. Ein paar Schüler fahren auf einem Boot zurück in der Zeit und landen schließlich im Mesozoikum, der Zeit der Dinosaurier. Diese aus dem griechischen oder lateinischen stammenden Bezeichnungen der Erdzeitalter hatte ich übrigens damals schon alle drauf! Aber zurück zum Film. Der im Jahr 1955 entstandene Streifen befindet sich mit seinen Stop-Motion-Animationstechniken auf erstaunlich hohem Niveau. Das Highlight ist der Kampf zwischen einem Stegosaurus und einem Allosaurus am Ende des Films.

Der Höhepunkt meiner Dinomanie wurde erreicht, als meine Mutter im Jahr 1987 einen Besuch im „Westen“ bei Verwandten machen durfte. Als Mitbringsel hatte ich mir natürlich etwas mit Dinosauriern gewünscht, in dem Falle ein Buch. Und meine Wünsche wurden nicht enttäuscht. Das Buch Dinosaurier und andere Tiere der Vorzeit von Peter Zallinger befindet sich natürlich ebenfalls bis heute in meinem Besitz und weckt bei jedem Durchblättern schöne Erinnerungen. Für die damalige Zeit war es echt ein Kracher, mit tollen farbigen Abbildungen und unzähligen Infos und Fakten über meine geliebten Urzeitechsen.

Ich kann mich auch erinnern, meine Eltern in alle möglichen Museen geschleift zu haben, in denen Dinosaurier oder ähnliches ausgestellt waren. Unter anderem das phyletische Museum in Jena und das Spengler-Museum in Sangerhausen. In letzterem gibt es zwar keinen Dino, aber dafür ein vollständig erhaltenes Skelett eines Mammuts!

Der bei weitem spektakulärste diesbezügliche Ausflug führte uns jedoch an die Grenze zu Polen nach Kleinwelka. Dort hatte ein Mann namens Franz Gruß in einer parkähnlichen Anlage zahlreiche lebensgroße Dinosaurierskulpturen aus Eisengeflecht und Beton errichtet. Meine Begeisterung kannte keine Grenzen, endlich konnte ich die Echsen einmal in voller Größe bestaunen. So besuchte ich meinen eigenen Jurassic Park, lange bevor es das Buch oder gar den Film gab. Der Park wurde übrigens im Laufe der Jahre stetig erweitert und ist auch heute noch eine Reise wert!

Dann kam irgendwann der Mauerfall und ich bekam plötzlich Zugriff auf ganz andere Dinge, vor allem Spielzeug aller Art. Eine meiner liebsten Neuerwerbungen aus der damaligen Zeit war eine Actionfigur aus der Serie Dino Riders, und zwar der Anklyosaurus mit dem Kämpfer Sting.

Leider ist sie mir, wie so vieles, im Laufe der Zeit abhanden gekommen. Daher halte ich immer wieder mal Ausschau nach Angeboten auf Ebay und Konsorten. Eine Figur in Originalverpackung ist jedoch sehr schwer zu finden und kostet ein Vermögen.

Alle die bis hierhin durchgehalten haben, können sich ungefähr vorstellen, was in mir vorging, als ich von Jurassic Park erfuhr. Es war einer der ersten Filme, die ich im Kino anschauen durfte, auch deshalb hat er eine besondere Bedeutung für mich. Wie gebannt saß ich auf meinem Sitz und staunte über das, was Steven Spielberg da auf die Leinwand gezaubert hatte.

Bis heute ist es einer der Filme, die ich immer wieder anschauen kann, ohne dass sie langweilig werden. Aber was mich störte, war der Hype. Nicht dass ich etwas gegen die ganzen coolen Merchandising-Produkte hatte. Im Gegenteil, das Logo macht sich einfach gut, egal worauf es gedruckt ist. Aber jeder, und auch wirklich jeder Junge war nun Dino-Experte. Und das hasste ich!

Mein Bruder hatte sich übrigens das Buch von Michael Crichton besorgt, welches natürlich im Zuge des Kinostarts zum Verkaufsschlager geworden war. Nachdem er es durch hatte, überließ er es mir. Ich glaube, ich brauche nicht zu erwähnen, wie oft ich es mittlerweile gelesen habe. Als Besitzer eine Sega Master System war es für mich auch eine Selbstverständlichkeit, mir das dazugehörige Actionspiel zu kaufen. Auch wenn es sich neutral betrachtet um ein eher mittelmäßiges Game handelt, so hat es mir doch auch viele schöne Stunden beschert und bringt mich auch heute noch dazu, es gelegentlich zu spielen. Manche Melodien haben sich mir gar für ewig ins Hirn eingebrannt und ich ertappe mich dabei, diese ab und an zu summen.

Ja, was soll ich sonst noch sagen? Selbstverständlich hatte und habe ich auch das JP-Stickeralbum der Firma Merlin sowie eine ganze Menge dazugehöriger Sammelkarten, die es bei unserem Bäcker zu kaufen gab.

Die Fortsetzungen von Jurassic Park sind in meinen Augen zwar durchaus gut, kommen jedoch nicht an den ersten Film heran. Wobei mir Teil drei besser gefällt, als Teil zwei. Die Jurassic-World-Filme sind zwar auch ganz nett, aber ich habe das Gefühl, dass die Computereffekte immer erkennbarer und schlechter werden anstatt besser. Und das alte Flair fehlt dann doch irgendwie.

Dinosaurier und alles was damit zu tun hat, hatten einen großen Einfluss auf den jungen Steffen. Dieser Einfluss ging so weit, dass ich mir sogar schon „Blätter zur Berufskunde“ im Arbeitsamt zum Beruf „Paläontologe“ besorgt hatte. Aber wie man heute sieht, ist alles anders gekommen. Was sich jedoch nicht geändert hat, ist die Vorfreude, wenn ich in der TV-Zeitschrift lese: „20:15 Jurassic Park“!

Wertschätzung durch teilen <3

Schreibt für die awesome Return und ist wohl das einzige Barney Stinson Double in Deutschland. Befüllt nun langsam seinen Retrochannel Nerdstuff & Nostalgia und hat ein sexy Monkey Island Tattoo.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Now hosting <3