Die (Video)-Spielstadt Ibi in Spanien: Arcade Vintage und Museo Valenciano del Juguete

Hola,

mal was anderes. Ich war in Spanien. In Ibi, um genau zu sein. Ibi ist relativ weit rechts auf der spanischen Landkarte zu finden. Ca. 40 Kilometer südlicher befindet sich Alicante, direkt am Meer. Es ist also – vom Frankfurter Flughafen – via Ryanair relativ easy zu erreichen.

Naja, fast. Denn von Alicante nach Ibi gibt es keine öffentlichen Verkehrsmittel. Zumindest sind mir keine bekannt. Entweder man kennt jemanden vor Ort, der einen abholt/hinfährt oder man organisiert sich ein Mietfahrzeug.

Ibi – City of Toys *(and Icecream)

Ibi scheint eine Stadt zu sein, die ein verspieltes Wesen besitzt. Jeden 28. Dezember spielen sie einen (politischen) humoristisch Putsch nach: Das Festa dels Enfarinat. Eine 200 Jahre alte Tradition, bei dem man verkleidet und mit Mehl, Eiern und Feuerwerk bewaffnet, die Stadt bzw. die Behörden einnimmt. Es werden lächerliche (nicht geltende) Gesetze erlassen, verlesen und erinnert, trotz politischen Hintergrund, eher an Fasching/Karneval in Deutschland. Als zumindest der Part, bei denen die Rathäuser gestürmt werden. Also in einigen Gebieten Deutschlands. Bitte entschuldigt, wenn ich hier etwas ungenau bin… aber ich vermute, ihr wisst, was ich damit meine.

Diese Verspieltheit spiegelt sich auch etwas am Industriezweig wieder, für die Ibi und die Gegend rund um Ibi bekannt waren. Ibi, Onil und Castalla waren sozusagen das Zentrum der spanischen Spielwarenindustrie. Bemerkenswert ist das erst recht, wenn man sich die Tabelle der Einwohnerzahlen anschaut. Zwischen 1960 und 1970 verdoppelte sich diese Zahlen. Zählte Ibi 1960 knapp 6200 Einwohner, lebten 1970 bereits 14.000 Menschen in und „von Ibi“.

Pajá und Rico sowie die daraus entwickelten Marken und Firmen
Pajá und Rico sowie die daraus entstandenen Marken und Firmen

Die Spielzeugfirmen Payá und Rico, waren die größten Arbeitgeber in Ibi. Angefangen mit kleinen Blechspielzeug wurden es später Plastikpuppen und batteriebetriebene Autos etc.

In den Gebäuden dieser beiden ehemaligen Spielzeugriesen leben nun zwei wunderschöne und interessante Museen:

Spielzeugmuseum: Museo Valenciano del Juguete

Das kleine Museum im alten Payá-Gebäude erzählt von der Geschichte des Spielzeugbaus in Ibi.

Von den anfänglichen Blechspielzeugen, wie die berühmte Pferdekutsche und Flugzeugen, bis hin zu den den etwas seltsameren Sachen wie die Kinder-Popcornmaschine (Ja, für die Steckdose!),  kann man in den großen Glaskästen alles an Kinderbespaßung bestaunen.

Apropos Staunen: Erstaunlich oft tauchen auf den kleinen Infotafeln auch deutsche Städte wie Fürth und Nürnberg auf. Das liegt daran, dass deutsche Spielzeughersteller wie z.B. Technofix ihre Produktion nach Spanien auslagerten. Ibi hatte das Know-How und die Kapazitäten dafür.

Durch eine Fensterwand kann man vom Museum direkt in das alte Werk reinschauen, welches fast unberührt den letzten Arbeitstag dokumentiert. Boxen, Spielsachen und Werkzeug liegen so da, wie die Arbeiter es bei der Schließung 1982 verlassen haben.

Das Museum ist relativ überschaubar, aber echt freundlich und hell eingerichtet. Eintritt kostet 2 Euro und es besteht auch die Möglichkeit, eine Führung zu bekommen.

Arcademuseum: Arcade Vintage – Museo del Videojuego

Im ehemaligen Gebäude von Rico befindet sich heute das Arcade Vintage: Ein Heimcomputer / Konsolen / Arcade und Flippermuseum. Gleichzeitig ist das Arcade Vintage auch eine Art Inkubator für die spanische Gamingszene. Veranstaltungen wie Programmierwettbewerbe, Turniere und Vorträge stehen ebenfalls auf der Habenseite des Vereins, der im Hintergrund das Museum betreut.

Auf rund 900m² sind über 300 Geräte verteilt. In erster Linie natürlich Arcades aus allen Jahrzehnten, aber auch eine Reihe Pinballgeräte und ein wilde Mischung aus Heimcomputern und Konsolen – alles frei bespielbar.

Spannend ist hier, dass das Rico-Fabrikgelände riesig ist und man doch nur einen Bruchteil der Location nutzen kann. Wie jedes andere ehrenamtlich geführte Museum mangelt es hier auch an Zeit und Geld. An Motivation mangelt es dahingehend überhaupt nicht. Mit viel Engagement wurden und werden Ideen umgesetzt.

Es gibt also viel zum bespielen und bei einem Eintrittspreis von 10 EU ist das Museum immer am Wochenende geöffnet.

Das Spielzeughotel Hotel del Juguete (Ibi)

Somit gibt es schon zwei Museen, die die Spielzeughistorie der Stadt Ibi im Herzen tragen. Man könnte also einen Wochenendausflug nach Ibi planen. Doch wo schlafen?

Jip… in einem Spielzeughotel.

Ich selber habe dort zwar nicht genächtigt, aber man erzählte mir, dass jedes der Zimmer mit anderen Spielsachen befüllt ist. Es ist also ein reines Themenhotel – Fachrichtung Spielzeug.

Lego, Playmobil, Barbie, bissel Superheroes (Marvel und DC) und sogar ein Mr Potato Zimmer gibt es zu sehen. Achso, daneben gibt es auch einige Zimmer mit Toylines, die mir nicht so geläufig sind. Entweder völlig neu, falsche Zielgruppe oder eher spanisch-national. Wie zum Beispiel Barriguitas und Pinypon.

PS:

*Town of Icecream

In den Bergen rund um Ibi wurde Schnee abgebaut, um daraus Eis für die Kühlung von Lebensmitteln zu gewinnen. Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich eine rege Eiskunst und das iberische Helado erfunden. In Ibi steht das einzige Denkmal der Welt, welches diesem einen Berufszweig – dem Eiscremehersteller -/verkäufer – gewidmet ist. Und sie feiern jedes Jahr im Februar eine große Eisparty.

 

Über Senad Palic

Kreatives Zellkollektiv. Typ Storyteller und Medienmensch. Mag den seltsamen Retrokram mehr als Mario und Co. Pressesprecher des Flipper- und Arcademuseums in Seligenstadt.

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Die GAMERS – mein erstes Videospielemagazin

Da dies mein allererstes Abonnement einer Zeitschrift war und ich natürlich noch alle Hefte besitze und immer mal wieder auch zur Hand nehme, möchte ich Euch an dieser Stelle ein wenig von der Geschichte dieses in vielerlei Hinsicht einzigartigen Magazins berichten.

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