Der Omega-Mann (The Omega Man)

Die Hochhausschluchten von Downtown Los Angeles. Ein Mann fährt im Cabrio durch völlig menschenleere Straßen, aus dem Autoradio ertönt eine ruhige, entspannende Musik. Plötzlich stoppt er den Wagen, holt eine Maschinenpistole hervor, und feuert auf ein Fenster, hinter dem sich etwas bewegt zu haben scheint. Dann gibt er Vollgas, und fährt mit quietschenden Reifen davon.

Der Mann im Auto ist Charlton Heston, und es handelt sich hier um das beeindruckende Intro von „Der Omega Mann“. Es ist nach dem einige Jahre zuvor erschienenen „The Last Man on Earth“ der bereits zweite Versuch, das Buch „I am Legend“ von Richard Matheson auf die Leinwand zu bringen.

Nach einem furchtbaren Krieg und einer durch biologische Kriegsführung ausgelösten Katastrophe ist der Wissenschaftler Robert Neville (Charlton Heston) der einzige, dem die Seuche nichts anhaben konnte. Tagsüber streift der durch die menschenleere Stadt, immer auf der Suche anderen Überlebenden. Nachts muss er sich in seiner Wohnung verbarrikadieren, um nicht den Mutanten um Matthias (Anthony Zerbe) und seiner „Familie“ zum Opfer zu fallen. Eines Tages trifft er auf eine Gruppe junger Menschen, die anscheinend ebenfalls gegen das Virus immun sind. Damit steigen seine Hoffnungen, die Krankheit doch noch zu besiegen, und die Zivilisation wieder aufzubauen. Doch Matthias und seine Anhänger haben ganz andere Pläne…

Die bereits erwähnte erste Verfilmung, in der Horror-Ikone Vincent Price die Hauptrolle spielt, hält sich sehr eng an die Buchvorlage, und wurde mit ihren schwarzweiß-Bildern und schlurfenden Vampiren stilbildend für ein Genre, welches sich bis heute größter Beliebtheit erfreut: George A. Romero hat mehrfach erwähnt, sich einen Großteil der Inspiration für seinen Klassiker „Night of the living Dead“ hier geholt zu haben.

„Der Omgea Mann“ verfolgt eine ganz andere Richtung. Er ist ein typisches Kind der 1970er Jahre, in denen sich der kalte Krieg und auch der Verdruss am Vietnamkrieg auf ihrem Höhepunkt befanden. Diese paranoide Stimmung und die Zukunftsängste der Menschen spiegelten sich in zahlreichen Science-Fiction-Filmen, etwa „Logan’s Run“, „Soylent Green“ oder auch „Planet of the Apes“ wider. Erstaunlicherweise spielte der Parade-Republikaner und Waffennarr schlechthin Charlton Heston in vielen dieser Filme die Hauptrolle. Dies lag aber vermutlich eher daran, dass er damals ein Publikumsmagnet war, denn an seiner politischen Gesinnung.

Und so sind es hier auch nicht die untoten Vampire, die im Fokus des Geschehens stehen, sondern eine Art Mutanten-Sekte. Diese erhebliche Änderung der Buchvorlage ist für den Spannungsbogen ein wenig schade. Die pausenlos plappernden, weiß geschminkten und Sonnenbrille tragenden Mitglieder der „Familie“ sind sicherlich alles andere, aber nicht furchteinflößend.

Lediglich in der Grundaussage ähnelt „Der Omega Mann“ seinem literarischen Vorbild, nämlich dass die Infizierten sich selbst als die eigentlich normale Klasse betrachten, und Neville als störendes Etwas einer vergangenen Epoche, welches ausgelöscht werden muss.

Der Film hat seine starken Momente dann auch immer in den Szenen, wenn die „Familie“ nicht zu sehen, beziehungsweise lediglich als indirekte Bedrohung vorhanden ist. Charlton Heston glänzt zum Beispiel im Monolog mit sich selbst beim Schachspiel gegen eine Cäsar-Büste, oder beim „Autokauf“, als er mit einem imaginären Verkäufer den Preis aushandelt. Zugutehalten muss man Regisseur Sagal auch die Vermittlung der völligen Verlassenheit der Stadt. Gedreht wurden diese Szenen übrigens vor Ort in Los Angeles in den frühen sonntäglichen Morgenstunden. Hier ist der Film besonders effektiv und nimmt stilistisch vieles von dem vorweg, was später im Zombiegenre zu den Markenzeichen gehören sollte.

Als weibliche Protagonistin wurde mit Rosalind Cash eine schwarze Hauptdarstellerin gewählt, was ebenfalls der Entstehungszeit des Films geschuldet ist, in der sogenannte „Blaxploitation Movies“ sehr angesagt waren. Dieser gesamte Handlungsstrang überzeugt auch nicht vollkommen, vor allem, da Lisa eine unglaubwürdige Entwicklung von der taffen Powerfrau zum duckmäuserischen Weiblein durchmacht.

„Der Omega Mann“ ist trotz seiner Schwächen mittlerweile zum Klassiker avanciert, und das zu Recht. Charlton Heston liefert hier eine sehr überzeugende Performance ab, und ist der bisher am besten gewählte Darsteller für diese Rolle. Daran ändert auch Will Smith nichts, der im Jahr 2007 in einer weiteren (leider mit schlecht gemachten und unglaubwürdigen Computereffekten überfrachteten) Umsetzung des Stoffes ebenfalls den Robert Neville geben durfte.

Als treuer Leser des Romans (und das bin ich in der Tat) wünscht man sich jedoch noch immer die „perfekte Verfilmung“. Bis dahin sollte man weiterhin die Hoffnung nicht aufgeben, und bevorzugt zu „The Last Man on Earth“ greifen.

 

 

 

 

 

Über Steffen Anton

Steffen Anton
Schreibt für die awesome Return und ist wohl das einzige Barney Stinson Double in Deutschland. Befüllt nun langsam seinen Retrochannel Nerdstuff & Nostalgia und hat ein sexy Monkey Island Tattoo.

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